A végvári rendszer kiépítése Magyarországon

Szántó Imre: A végvári rendszer kiépítése Magyarországon. In: Acta Universitatis Szegediensis : acta historica, (38). pp. 1-44. (1971)

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Absztrakt (kivonat)

Die fortgesetzten Raubzüge und das Bestreben, immer neue Gebiete auszuplündern, gehörten zum Wesen des türkischen Staates. Ein Waffenstillstand oder ein Friedensschluss mit den Türken bedeutete noch keinen wirklichen Frieden. Dem Expansionstreben und den Überfällen der Türken ein Ende zu setzen, wurde zu einer dringlichen Aufgabe nicht nur für Ungarn, das kurz vor dem Zusammenbruch stand, sondern auch für die gefährdeten Nachbarländer. Ferdinand I. konnte die Türken nicht einfach aus dem Land vertreiben, aber er musste versuchen, ihr Expansionsstreben zu hemmen. So entstand die wirtschaftliche und gesellschaftliche Organisation des Grenzburgensystems. Sie konnte der Verteidigunskraft wenigstens ein Niveau sichern, das das Land vor der völligen Vernichtung bewahrte. Für Ungarn enstand dieses System nach Mohács zu spät, und zwar uro etwa zwanzig Jahre. Deshalb konnten die Türken die Nordgrenze des von ihnen eroberten Gebietes mit einem Male von der Linie Syrmien-Untere Donau bis zur Linie Győr—Esztergom—Eger—Szolnok vorshieben. Es ergab sieb aus dem damaligen Niveau der Kriegskunst, dass die Burgen • einen Angriff abwehren — beziehungsweise einem Angtriff standhalten — konnten, der von einer mehrfachen Übermacht ausgeführt wurde. Einesteils waren die Methoden, die die Verteidiger anwenden konnten, wesentlich wirkunsvoller, als die die der Angreifer, anderenteils konnte man éinen Angriff wegen der Nachschub- und hygienischen Probleme nicht länger als auf zwei bis drei Monate ausdehnen. Jede Woche, jeder Tag, den man die türkische Armee aufhalten konnte, rettete also bedeutende Gebiete vor "der Zerstörung. Der ungarische Grenzschutz war darauf ausgerichtet, die Ausfälle der sich ständig in Ungarn aufhaltenden türkischen Burgbesatzungen abzuwehren. Die Türkengriege führten zu einer bedeutenden Umgestaltung in der ungarischen Kriegsführung und ihren Kampfmethoden. Auch die Organisation der alten ungarischen Burgen veränderte sich völlig. Mit der Entwicklung der Artillerie wur - den die kleinen Einzelburgen, wi e man sie im Inneren des Landes fand, im allgemeinen unbrauchbar, sie veralteten. Sie waren zu klein, um eine grössere Besatzung — wor allem Reiterei — aiufzunehmen und ihr Unterkunft zu bieten. Di e Burgen waren aus den billigsten Rohstoffen — aus Holz und Lehm — errichtet worden, erbaut und instandgehalten wurden sie ruch die Leibeigenen, und zwar durch deren kostenlose Arbeit (gra tui tus labor). Zuerst verstärkte man die grösseren Burgen, später aber auch die kleineren Burgen, Schlösser, Kastelle und Herrensitze, ebenso wi e Türme und . Kirchen, die nicht zu Burgen gehörten, sondern allein standen. Diese Periode bezeichnet man als die sogenannte Periode der imporvisierten Befestigungen (1541—1556). Die Erichtung neuer Bollwerke und breiter Schanzen, die für die Aufstellung von' Geschützen geeignet waren, erforderten bedeutende Kosten und grosses technisches Können. Der Adel und die hohe Geistlichkeit liessen sich kaum auf derartige grossangelegte Bauvorhaben ein, sie versuchten, dem König den Schutz des Landes und den Unterhalt der Grenzburgen anzulasten. Die Stütze der mächtigen Befestigungslinie bildeten die Einzelburgen. Die neuen türkischen Angriffe auf dem Gebiet des Königreichs Ungarn führten — da man den Grenzschutz verbessern musste — zu einer Stärkung der Zentralmacht. Die ungarischen Grenzburgen setzten die Be - festigungslinie aus der kroatischen und der slowenischen Grenze fort, in Transdanubien lagen sie vor allem am Balaton und im Vértes-Gebirge, von Győr an zogen sie sich am Rande des Flachlands nordwärts. Zu dem Verteidigungssystem gehörten nicht nur Kleinere und grössere Burgen und Herrenhäuser, es handelte sich u m ein vollständig ausgébautes System mit mehreren Reihen von Befestigungen hintereinander. So konnte eine Burg der anderen im Kampf beistehen. Für die Bevölkerung der Umgebung bildete die Burg eine Zufluchtsstätte Orefugium ac receptaculum). Die strategische Bedeutung der 'Grenzburgen für Österreich bestand im folgendem: die sollten bei den grösseren türkischen Kriegszügen die Angriffe auffangen oder wenigstens hemmen. Während der Türkenkriege wurde das gesamte Militär umgestaltet. Das Banderium-System hörte auf zu bestehen, die Adelsheere verloren. ihre Bedeutung, das Hauptgewicht der Verteidigung verlagerte sich immer mehr auf das stehende Heer. Dass auch in Ungarn eine Veränderung zugunsten der Fusstruppen eintrat, entsprach der allgemeinen europäischen Entwicklung. Die Reiterei wurde von nun an eher für Patrouillenritte eingesetzt. Durch die Kriege vergrösserte sich die Zahl der Fusssoldiaten und der freien Haiiduken. Auch die Artillerie in den Burgen und die Wasserstreitkrafte nahmen an Bedeutung zu. Mit den Besonderheiten der Verteidigung von Festungen hing die raschere Verbreitung der Handfeuerwaffen zusammen. Die ständige Besatzung des Grenzschutzes konnte man i m wesentlichen nur für örtliche, defensive Aufgaben einsetzen. Bei dem Kampf an der Grenzburgenlinie bevorzugten 'beide Seiten zwei besondere Kampmethoden: entweder laurerte man dem Feind im Hinterhalt auf, oder man führte Zweikämpfe durch. Die Zahl der ständigen Grenzwachen mag in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts etwa 15 000' bis 18 000 betragen, haben. Die Zahl der hier stationierten Türken war bei weitem grösser. % ' . Während der gesamten Zeit der Türkenifrerrschaffc wurde Ungarn in erster Linie nicht von Leibeigenen, sondern von Berufssoldaten verteidigt. Die Besatzung der Grenzburgen setzte sich zum grössten Teil aus Männern zusammen, die die Türken ihres Heims und ihres Bodens beraubt hatten oder die dem Zwang der Leibeigenschaft entflohen waren. Die üDerwiegende Mehrheit bestand aus einstigen Leibeigenen. Dazu kamen ehemalige Hirten aus dem Balkan, die meist slawischer Herkunft waren. In ihrem täglichen Leben verbanden sich aufopferungsvolle Vaterlandsliebe und der Söldnergeist des. Berufssoldaten. Der Ausbau und die Instandhaltung des Grenzburgensystems erforderten riessige materielle Aufwendungen, deren, Last zum grössten Teil Ungarn zu tragen hatte. Die Gelder, die für den Unterhalt der Befestigungen verwendet wurden, stammten vor allem aus den Einkünften der Burgprovinzen. Da' die Besitzer der Burgen ihre Einkünfte aus den unterschiedlichsten Quellen bezogen und da diese eben wegen der ständigen Bedrohung durch die Türken recht unregelmässig einkamen, war der König gezwungen, nicht nur den Kirchenzehnten, sondern auch andere ständige1 Zuschüsse für den Unterhalt der Grenzburgen aufzuwenden. Die Lasten, die die türkischen Angriffe dem ungarischen Staat aufbürdeten, konnte er nicht allein tragen. Die bürgerliche Geschichtsschreibung behauptete, bei der Aufstellung des Grenzburgensystems hätten fremde Gelder und fremde Soldaten die entscheidende Rolle gespielt, was Ungarn mittelbar oder unmittelbar den Habsburgern, zu verdanken gehabt hätte. Tatsächlich Wandten die Habsburger für den Kampf gegen die Türken finanzielle Mittel und Streitkräfte auf. Doch die .Zentralisierung, wi e sie im Habsburger Reich herrschte, konnte Ungarn nicht davor bewahren, dass es zum. Kriegsschauplatz wurde. Und die Teile des Königreichs Ungarn, die noch nicht von den Türken besetzt waren, wurden von den Söldnern bevölkert. Die Habsburger schützten lediglich die Erblande und das Deutsche Reich vor den ständigen Einfällen der Türken. Ungarn musste den Feind aufhalten, es spielte die Rolle der „Schutzbastion". Beim Kampf gegen die Türken brachte die Bevölkerung Ungarns die grössten Opfer, si e hatten die bedeutendsten finanziellen. Verluste und die meisten Toten zu beiklagen. Der bürgerlichen Geschichtsschreibung zufolge traf sich in den Grenzburgen „die verstreute Bevölkerung eines durch die Kriege erschütterten Landes zu gemeinsamer Arbeit". Die bürgerlichen Historiker überbetonten, den zeitweiligen und beschränkten Zusammenschluss der feindlichen Klassen — Adel und Bauernschaft — gegen die Türken und beraubten ihn seines konkreten Klasseninhalts. Die Angehörigen der herrschenden Klasse verteidigten ihre Ausbeuterherrschaft, während die Bauern für die beschränkten Lebensmöglichkeiten, kämpten, die ihnen die feudale Ausbeutung noch gelassen hatte und die sie nun durch die Türken bedroht sahen. Die Besatzung der Grenzburgen leistete den Türken heldenhaften Widerstand. Doch die ideologische Grundlage dieses Widerstands war nicht die gemeinsame Liebe zum feudalen Vaterland,'sondern der christliche Glaube, den die Angehörigen der herr•sehenden Klasse, mit der „Verteidigung des Vaterlandes" gleichsetzten. Di e Grenz- "burgen spielten eine wichtige Rolle in der Bewegung der Reformation. Der Kampf gegen die Türken war die gemeinsame Sache ail derer, die ihr Leben, ihre Entwicklung und Bildung durch die fremden Eroberer unmittelber bedroht sahen. Im 16. und 17. Jahrhundert ¡bildeten die ungarischen Burgen die äussersten- Stützpunkte im Kampf gegen die Türken und gleichzeitig die Heimstätten für die Entwicklung der ungarischen Sprache. Zahlreiche Volkssagen und Dichtungen erinnern an diese Burgen, und den heldenhaften Widerstand ihrer Besatzungen, die — wi e wi r bereits betonten — zum allergrössten Teil aus ehemaligen Leibeigenen bestanden. Ihre Opferbereitschaft und ihr Ausharren - oft unter aussichtslosen Um - ständen — hinderten den Feind an der vollständigen Besetzung und Verwüstung des Landes und trugen in bedeutendem Masse dazu bei, dass die Heere der Türken langs a m aufgerieben wurden. Der Kampf der Grenztourgen war ein gerechter Krieg: er •entsprach den grundlegenden Interessen des Volkes.

Mű típusa: Cikk, tanulmány, mű
Egyéb cím: Die Herausbildung des Grenzburgensystems in Ungarn
Befoglaló folyóirat/kiadvány címe: Acta Universitatis Szegediensis : acta historica
Dátum: 1971
Kötet: 38
ISSN: 0324-6965
Oldalak: pp. 1-44
Nyelv: magyar , német
Kiadó: University of Szeged, Magyar Medievisztikai Kutatócsoport
Kiadás helye: Szeged
Befoglaló mű URL: http://acta.bibl.u-szeged.hu/37070/
Kulcsszavak: Magyarország története - középkor, Hadtörténet - Magyarország - középkor
Megjegyzések: Bibliogr.: p. 27-41. ; összefoglalás német nyelven
Szakterület: 06. Bölcsészettudományok
06. Bölcsészettudományok > 06.01. Történettudomány és régészet
Feltöltés dátuma: 2016. okt. 15. 07:57
Utolsó módosítás: 2026. feb. 06. 11:58
URI: http://acta.bibl.u-szeged.hu/id/eprint/4155
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